Das Goldmuseum im Stockalperturm in Gondo Das Goldmuseum in Gondo erinnert an die
goldigen Zeiten im vorderen Zwischbergental. Dokumente, Werkzeuge,
Skizzen, Zeichnungen und Fotos lassen die Vergangenheit von Gondo-Zwischbergen kurz
aufleben.
Man vermutet, dass schon zur Römerzeit im Zwischbergental goldhaltige Erze abgebaut wurden. Aktenkundig werden die Goldminen jedoch erst im Jahre 1660 definitiv fassbar, als Kaspar Jodok von Stockalper dort mit dem Golderzabbau begann. Im Talgrund des Zwischbergentals sind die Goldmüly (mit Hammerwerk und Sieberei für die Erzaufbereitung), die Goldwäscherei in Bochten (Holzbottiche) und das Goldscheiden (durch Umrühren mit Quecksilber und Verdampfen, fünf Unzen Quecksilber pro Zentner goldhaltigem Sand) erwähnt. Das goldhaltige Erz wurde offenbar in freier Bergmannsarbeit gewonnen, indem die Bergleute durch «herausschlagen und ‑hämmern» mit Schlägel und Eisen Galerien erstellten. Vor den Galerien pochten sie das Erz, um es vom «blinden Gestein» zu trennen. Mit Erzschlitten schleppten sie das kostbare Erz zur Goldmühle, wo sie es beim Hüttenmeister (Erzknab) pro Zentner für eine halbe Silberkrone verkaufen konnten.
Bei
Kaspar Stockalpers Tod im Jahre 1691 enden die Eintragungen in
Rechnungsbüchern. 1728 erteilte der Walliser Landrat an Franz Christian
Wegener und dann
1734 an
Josef Burgener neue Konzessionen, die 1748‑1842
wieder mit Beteiligung der von Stockalpers und zuletzt nur noch durch
die Stockalpers den Bergbau im Zwischbergental dokumentieren. Dabei
wurden die Werke nach 1748 bedeutend erweitert. Zwischenzeitlich trat
während der Epoche der französischen Besetzung und des Baus der
Simplonstrasse die italienische Firma Maffiola & Pirazzi in einen
Konzessionsvertrag. Maffiola lebte vorübergehend in Gondo-Zwischbergen. Er war mit Kreszentia Gerold aus Simplon Dorf verheiratet.
Unter Maffiola entstanden die Galerien Maffiola und Camussetta, ein
«schönes Bergherrenhaus» und zwei neue Goldmühlen. Pro Tag wurde bis zu
einer Tonne Erz gefördert, und die besten Ergebnisse sollen auf diese
Menge bis zu 280 Gramm Goldausbeute gebracht haben
‑
mehr als das Zehnfache anderer Minen.
In den 1830er Jahren traten die Franzosen J. A. Raby, Mineningenieur, Fr. Ruol, Bergwerkunter-nehmer, Fr. A. Scillière, Bankier, und Louis Biogues, Deputierter, als Bergwerkbetreiber auf. Unter ihnen entstanden die Stollen Confiance, Vinasque und Fontaine.
1842 erneuerten die von Stockalper die Konzession nicht
mehr; sie kam nun definitiv in französische Hände. Die Abbaubewilligung
erlangte J. C. Boulie de Broquens. Ab 1852 war der Italiener Baglioni Konzessionsinhaber. Neben der
Erweiterung der bestehenden Vorrichtungsbauten liess der Unternehmer den
nach ihm benannten Baglioni‑Stollen aussprengen.
Nach Baglioni erwarb 1875 P. L. Barthe aus Paris mit seiner Societe anonyme des Mines d'Or de Gondo mit einem Aktienkapital von zwei Millionen Franken die Konzession. 1881 ging die Konzession an Eduard Cropt, Bankier in Sitten, über. Vermutlich entstand in diesem Zusammenhang im Tanegg-Graben die Galerie Cropp. Nach dem Tode von Cropt wirkte die Goldminengesellschaft der Schweiz für einige Jahre weiter mit dem in Paris wohnhaften Briger Alcide Froment.
Ende 1890 wurde die Nachlassstundung eingeleitet. Am 29. Januar 1891 ging die Mine im Namen der Gläubiger des Nachlasses an den Advokaten Ducrey als Treuhänder über. Der Grubenbesitz umfasste das herrschaftliche Wohnhaus, die Hüttenwerke, die alte Giesserei, Baracken, die Wasserrechte, die Schürfrechte und umfangreiche Ländereien inklusive Alpen im Zwischbergental und bis nach Alpjen. Mit über hundert Mineuren erweiterte die neue Gesellschaft Societé des Mines d'Or d'Helvetie die bisherigen Stollen unter der Leitung von Alcide Froment, der sich vorerst «Chefingenieur» und später «Generaldirektor» nannte. Nach drei Jahren Aufschluss‑ und Abbauarbeiten fasste er die geleistete Arbeit in einem Rechenschaftsbericht zusammen:
«Die Goldminen liegen in der Nähe der bekannten Napoleonstrasse, und in wenigen Jahren wird der Simplontunnel gebaut, und dann kommt Gondo ganz in die Nähe des internationalen Schienenstranges ... Gondo nimmt den ersten Platz ein unter allen Goldminen in Europa. Einmal besitzen wir die ältesten Dokumente von dieser Mine, daraus wissen wir, dass eine grosse Anzahl Galerien hier reich an Golderzen sind, und zwar auf einer Bodenfläche von 3600 Hektaren. Nach den zweijährigen gründlichen Forschungen und nach den grosszügigen Erneuerungen aller Einrichtungen kann man jetzt einen guten Erfolg garantieren. Man muss nur den kleinen Kapitalisten in Europa zeigen, dass es jetzt nicht mehr nötig ist, nach Kalifornien oder nach dem Transvaal zu gehen, um das kostbare Metall zu suchen. In jenen Minen, wie auch in denen von Afrika, wurden oft 50 % Dividenden ausgeteilt. Das werden wir in Gondo bestimmt auch erreichen ‑ und noch mehr!»
Bis zum August 1896 wurden 5191 Tonnen Golderz verarbeitet. 73 Goldvreneli und etliche Goldmedaillen sind zwischen 1893 und 1897 aus Gondogold geprägt worden. Doch sank der Goldgehalt 1896 gegenüber 1894/95 um mehr als die Hälfte auf 4,2 Gramm pro Tonne. Am 17. Mai 1897 wurde über die Gesellschaft der Konkurs verhängt.
Die Grundstücke im Minenboden
gingen
1925 an Michael Tscherrig,
der eine Sägerei einrichtete, diejenigen vom Biel an den Landwirt Alfons
Jordan. Laut Rohstoffinventar der Schweizerischen Geotechnischen
Kommission von 1993 betragen die Vorräte rund 250000 Tonnen verarbeitungs-würdige Erze und schätzungsweise
die gleiche Menge nicht aufgeschlossene Erzadern. Bei 500000 Tonnen
Abbau ergäbe das etwa eine Tonne Gold, gerechnet auf zwei Gramm Gold pro
Tonne Erz. Damit bleibt jeglicher Abbau im besonders schwierigen Gelände
um Gondo und mit den schweizerischen Investitions-
und Lohnverhältnissen unwirtschaftlich.
Die Zeugen des Goldbergabbaus von Gondo bleiben somit
ein Feld für archäologische Forschungen und bestenfalls für hobbymässige
Freigoldsucher. Diese haben in den 1990er Jahren aus dem Célina‑Stollen
goldhaltigen
Pyrit geröstet und gewaschen und dabei fünf bis fünfzig
Milligramm Freigold erzeugt. Bei Goldwaschversuchen im Grossen Wasser
konnten einzelne winzige Flitterchen ausgemacht werden rund eine halbe
Million davon ergäben ein Gramm Gold.
Münzen und Medaillen aus Gondogold
"Die letzte Abbauperiode in den Minen von Gondo in den Jahren 1874 bis
1896 war geprägt von zahlreichen Besitzerwechseln. P. L. Barthe aus
Paris gründete 1874 die Société Anonyme Française Mines d'Or de Gondo
1881 ging die Konzession an Eduard Gropt über und an die 1891 von Alcide
Froment gegründete Société des Mines d'or d'Helvétie Bereits drei Jahre
später sind die Gondo Minen neu im Besitz der Société Suisse Mines d'or
de Gondo, die aber bereits vier Jahre später 1897 in Konkurs geht,
nachdem bereits im August 1896 der Betrieb eingestellt worden ist.
In den Jahren 1894 bis 1896 wurden insgesamt 33 Kilogramm Gold gewonnen,
das teilweise für Münz‑
und Medaillenprägungen verwendet wurde. 1893 prägte die «Usine Genevoise
de Dégrossissage d'or» eine kleinere Anzahl von Medaillen aus Gondogold.
Ebenfalls 1893 gab die eidgenössische Münzverwaltung ein 20 Franken
Probestück in einer Auflage von 25 Stück heraus, wie Jürg Richter und
Erwin Dietrich in der Helvetischen Münzzeitung 1993, Nr. 10 bzw. 1995,
Nr. 10 schreiben
‑
der Altmeister der schweizerischen Münzkunde Leodegar
Coraggioni erwähnt 1896 eine Ausgabe von 50 Stück. Weitere Auflagen
dieser Münze datieren ins Jahr 1895 mit 19 Stück und 1897 mit 28 Stück
nach Dietrich bzw. 29 nach Richter. Letzterer beschreibt ein Stück der
Auflage 1893 (Abb. 1), das 1993 in der Herbstliste Nr. 60, Hrsg.
Monetarium der SKA, für Fr. 45000.‑
zum Kauf angeboten wurde: «Die Vorderseite zeigt einen
Frauenkopf nach links mit Diadem und Alpenrosenkranz im Haar. Auf der
Rückseite befindet sich der Schweizerschild zwischen der geteilten
Wertangabe über der Jahrzahl; das Ganze ist in einem Kranz aus Eichen‑ und Lorbeerzweigen. In der Mitte des Schweizerkreuzes
ist ein kleines Zeichen für die Gepräge aus Gondogold.
… Die chemische Beschaffenheit beim Gondogold 20 Frankenstück von 1893 setzt sich ... zusammen: 92,4% Gold, 4,7% Silber und 2,9% Kupfer (gegenüber einer Zusammensetzung der Normalprägung von 90% Gold und 10% Kupfer). Der verbleibende Anteil Silber in der Legierung bewirkt auch die etwas hellere, grünliche Farbe der Gondogoldmünzen."
Urspeter Schelbert in Minaria Helvetica 16b/1996, S. 92 |