Zur Geschichte
 Waaldärubäärg
 
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Im Jahre 1399 entstand in der Talschaft südlich des Simplons neben Simplon eine zweite selbständige Gemeinde. Es war das Freigericht im Wald oder Waaldärubäärg. Heute ist von der Gemeinde noch die Geteilschaft Eggen-Waaldärubäärg geblieben. Das Gemeindegebiet erstreckte sich beidseitig des Chrummbaches von der Engi abwärts bis unterhalb des Weilers Eggen an den Sengbach und auf der linken Seite des Baches bis an die Grenzmauer im Stock.

 

Vor dem 14. Jahrhundert wissen wir von diesem Gebiet nicht viel. Das Territorium der heutigen Eggengeteilschaft war aber damals ziemlich stark bevölkert. Die vielen Weiler, die heute nur mehr im Sommer bewohnt sind, waren ständiger Wohnort. Von den Ortsnamen haben die Familien oft den Geschlechtsnamen angenommen, oder auch das Geschlecht gab dem Orte den Namen.

 

Noch in 14. Jahrhundert war das Gebiet der heutigen Eggengeteilschaft unter der Herrschaft der edlen Familie Urnavas von Naters. Diese übte die Gerichtsbarkeit über die Bewohner aus. Sie ernannte einen Stellvertreter, der ihre Rechte ausübte und die Verwaltung und Gerichtsbarkeit leitete. Im Jahre 1395 amtete Wilhelm Kuntschen von Simplon als Verwalter. Um diese Zeit war Inhaber der Herrscherrechte im Wald Jocelin von Urnavas. Seine Tochter Agnes heiratete den Junker Niklaus Troller von Ernen, dem sie zwei Kinder schenkte: Anton und Katharina. Letztere, die sich mit Johannes Sigristen von Naters vermählte, erhielt als Erbschaft die Gerichtsbarkeit im Wald. Am 3. November 1399 verkaufte Katharina dieses Erbgut um 110 Mauricensische Pfund dem Niklaus Emus, Peter Kuntschen, Jakob Gerold von Simplen und Anton Hellmatter in Brig.

 

Durch diesen Kauf entstand eines der ältesten Freigerichte im Wallis.

 

Nach dem Loskauf bauten die Einheimischen ein freies Gemeindewesen auf, das den Namen Freigericht im Wald erhielt. Dieses übte die Gerichtsbarkeit über die Bewohner aus. An der Spitze der Gemeinde stand der Kastlan. Wahltag war immer der St. Johannestag am 24. Brachmonat. Dieser Tag war der Festtag der Gemeinde. Nach dem Gottesdienst wurde in freier Wahl der Bürger der Kastlan erkoren. Die Bürger feierten den Geehrten beim gemeinschaftlichen Mittagessen und anschliessenden Gemeindetrunk. Der Trunk nahm oft den zweiten Tag in Anspruch. Einmal soll er sogar drei Tage und drei Nächte gedauert haben.

 

Gegenüber dem heutigen Weiler Eggen befand sich auf dem Tannbiel das Hochgericht, der Galgen. Gerichtsurteile in Akten finden sich keine mehr. Nur der Volksmund weiss noch von einigen strengen Urteilen zu berichten, die auf dem Tannbiel ausgeführt wurden.

 

Das erste Dorf der Gemeinde war nicht das heutige Eggen, sondern es stand weiter oben im «Trinibodu». Von diesem verschwundenen Dorfe wissen wir heute gar wenig mehr, denn der wohl schrecklichste Tag in seiner Geschichte erlebte das Freigericht rund 200 Jahre nach seiner Entstehung. Am 31. August 1597 stürzte vom Homattengletscher eine gewaltige Eismasse auf das Dorf herab. Unter den grossen Eis-, Schnee- und Steinmassen fanden 81 Menschen den Tod. Nach dieser Katastrophe bauten die Überlebenden weiter südwärts das Dörfchen Eggen auf. Laut Inschrift wurde hier das noch heute ansehnlichste Haus 1603 vollendet. Es war das Schmidhalterhaus, das zugleich als Gerichtshaus diente.

 

Am Ende des 18. Jahrhunderts brach erneut ein grosses Unglück über die Talschaft. Die französische Revolution hatte das Wallis erreicht und alle Freigerichte wurden abgeschafft. Die neue Verfassung duldete keine Sonderstellungen mehr.

 

Die Eggengemeinde wurde aber zum Glück nicht aufgelöst, sie wurde zur Geteilschaft Eggen-Waaldärubäärg, wie sie heute noch besteht.