Ried-Brig | Den alten Trockenmauern auf dem Simplonpass droht der Zerfall. Die Geteilschaft Bergalpe Simplon will diese nun retten. Die Sanierung kostet 2,5 Millionen Franken.
 

An der Geteilenversammlung am Sonntag in der Turnhalle von Ried-Brig, an der 151 Bergerinnen und Berger und Gäste anwesend waren, blickte Alpvogt Marcel Schmidhalter im Verwaltungsbericht auf die Schwerpunkte der Jahre 2009 bis 2011 zurück. Im Spätherbst 2009 konnte man das neue Reservoir in Betrieb nehmen. Die letzten Abschlussarbeiten wurden im Sommer 2010 erledigt. Ebenfalls wurde im Herbst 2009 die wintersichere Wasserleitung in die Lärchmatta fertiggestellt. An der Marchbege-hung im September 2010 wurde das neue Reservoir eingeweiht.

Hoher Sanierungsbedarf

Die Trockenmauern prägen die Kulturlandschaft auf dem Simplon auf eindrückliche Weise und sind ein unverkennbares Merkmal des typischen Landschaftsbilds. «Zahlreiche dieser Mauern weisen jedoch einen hohen Sanierungsbedarf auf. Ohne einen dringenden Initialeingriff für die Sanierung werden sie langsam aber sicher zerfallen», sagt Alpvogt Marcel Schmidhalter.

Der Vorstand der Bergalpe hat sich daher zum Ziel gesetzt, die vielfältigen Trockenmauern als charakteristische Kulturlandschaftselemente im Perimeter der Geteilschaft Bergalpe Simplon zu sanieren und langfristig zu erhalten. Die Mauern sind Zeugen einer traditionellen, seit Jahrhunderten angewendeten Bautechnik. Die Mauern haben eine hohe kulturlandschaftliche Bedeutung, etwa als Begrenzung für Weidenutzung. Sie haben einen Siedlungsbezug. Und sie haben natürlich einen Bezug zu Wanderwegen und dem Stockalperweg des Ecomuseums Simplon (touristische Relevanz).

10 Kilometer Trockensteinmauern

Adrian Kräuchi hat dazu ein Inventar der Trockenmauern erstellt. Man hat die Mauern in drei Kategorien eingeteilt: Doppelwandige Mauern, welche als Begrenzung dienten. Stützmauern zur Terrassierung und zum Bau von Wegen, und Le-sesteinmauern, als grob geschichtete und zum Teil zerfallene Mauern. Die Totallänge der inventarisierten Mauern beträgt 10 140 Meter. 69 Prozent sind doppelwandige, freistehende Mauern, 23 Prozent Lesesteinmauern und acht Prozent sind Stützmauern. 19 Prozent sind gut erhalten, 46 Prozent teilweise. Ein Viertel der Mauern ist grösstenteils zerfallen, zehn Prozent gar total. Rund die Hälfte ist auch verbuscht.

Kosten von 2,5 Millionen Franken

Die Kosten sind nach Mauertypus und Zustand der Mauer berechnet worden. Diese belaufen sich auf 2,4 bis 2,8 Millionen Franken. Ein grosser Brocken, den die finanziell zwar auf solidem Fundament stehende Geteilschaft natürlich nicht alleine tragen kann. Abklärungen mit dem Kanton Wallis, mit Institutionen wie Fonds Landschaft Schweiz, Loterie Ro-mande oder Stiftung Landschaftsschutz sind im Gange. Private müssen sich an den Kosten nicht beteiligen. Geplant ist laut Schmidhalter, dass man mit den ersten Arbeiten im Frühsommer 2012 beginnt. Die Arbeiten sollen in drei Etappen über fünf bis zehn Jahre ausgeführt werden. In einer ersten Etappe werden für die Landschaft wichtige Mauern und Mauern in der Nähe der Wege saniert.

Vertrag mit dem VBS angepasst

Eines der grössten Geschäfte der vergangenen Verwaltungsperiode war der Abschluss des Dienstbarkeitsvertrages mit dem VBS. Nach mehreren Sitzungen mit dem VBS und nach Absprache mit der Gemeinde Simplon Dorf konnte man sich mit dem VBS einigen.

Im Vertrag sind keine wesentlichen Änderungen. Der Betrag wurde indexiert. Die Entschädigung erhöht sich im Vergleich zum bisherigen Vertrag. Die Vertragsdauer ist neu auf fünf Jahre festgelegt. Die Sperrfrist dauert wie im vorherigen Vertrag vom 12. Juni bis zum 12. September. Es ist geregelt, dass die Armee das einheimische Gewerbe unterstützen wird. Erstmals ist eine Klausel im Vertrag, welche auch den Anliegen der Jäger, so weit als möglich, Rechnung trägt.

Ein Bodenabtausch der Geteilschaft mit Hüttenbesitzern wurde abgelehnt. In ei-ner schriftlichen Abstimmung sprachen sich nur 20 für das vom Rat vorgeschlagene Geschäft aus, 103 lehnten den Bodenabtausch ab.

Das diesjährige Gmeiwärch findet am Samstag, dem 9. Juli 2011, statt. hbi