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Alpwirtschaft und Gemeiwärch
Bäärgalpa
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Bis zur Mitte des
20. Jahrhunderts war die Bäärgalpa mit viel Vieh bestossen.
Die Dokumente aus der Zeit Stockalpers
belegen, dass die alpwirtschaftlichen Verhältnisse im 17. Jahrhundert sich kaum
von denen unterschieden, wie sie noch bis in die frühen sechziger Jahre des 20.
Jahrhunderts vorherrschten. Für die Geteil-schaft Simplon Bergalpe war die
Alpwirtschaft das bestimmende Element. Vogt
und Schreiber verwalteten und kontrollierten zusammen mit den
Stafelvögten die Kuhrechte auf den verschiedenen
Stafeln.
Der Pleggtag (Belegtag) war wohl das wichtigste Datum im sommerlichen
Alpablauf. Der Simplon bevölkerte sich wieder nach dem langem Winterschlaf. Schon am frühen Morgen des
Pleggtages
machte man sich von den Voralpen mit
Vieh und Habe auf den Weg Richtung Simplon (ufu Bärg). Während der Sommermonate Juli und August waren
viele Familien mit Kind und Vieh auf dem Simplon. Jede Familie versorgte ihr
Vieh und verarbeitete die Milch zu Käse, Butter und Ziger. Für die Verwertung
der Käsemilch und Schotta mästete man Schweine.
Heute wird die Milch in die
Käsereien von Simplon Dorf und Ried-Brig geliefert.
Ende des 14. Jahrhunderts
sind mehrere Verkäufe und Käufe von Alp- und Kuhrechten auf der Simplon Bergalpe schriftlich dokumentiert. In jener
Zeit schon war die Alpwirtschaft der Simplon Bergalpe den Regeln unterworfen, die grösstenteils
noch heute gelten.
In
neuerer Zeit war die Bergalpe wohl nie mit der vollen Zahl der berechtigten
Vieheinheiten belegt.
Im Reglement von 1999 werden die Kuhrechte
wie folgt berechnet:
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1 Pferd anstelle von 3
Kühen
-
10 Schafe oder 15 Ziegen anstelle 1
Kuh
-
2 Böckchen anstelle 1 Ziege
-
2
nicht
über ein Jahr
alte Jungstiere anstelle 1 Kuh
-
1
nicht
über
2 Jahre alter Jungstier oder 1
Rind,
das
„geworfen" hat, anstelle 1 Kuh
So stand es auch
schon in den Satzungen aus dem 17. Jahrhundert, aufgeschrieben vom damaligen
Alpschreiber Anton Lambien.
Bis nach 1950 gab es
wenig grössere Änderungen bei der Belegung. Der Strukturwandel in der
Landwirtschaft mit der Aufgabe von vielen Kleinbetrieben hat auch die
Bewirtschaftung der Alpen radikal verändert. Dank der günstigen Topografie
und der guten Verkehrserschliessung wird die Alpe weiterhin gut genutzt,
doch ist
der
Viehbestand auch auf der Simplon Bergalpe
rückläufig. Wurden auf der Bergalpe 1899 noch 524
Stück Grossvieh gesömmert,
ging diese Zahl 1972 auf 314
zurück.
Aber noch im Jahre 2006 bot die Simplon Bergalpe auf den
verschiedenen Stafeln 204 Grossvieheinheiten Nahrung:
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Stafel |
Viehhalter |
Anzahl Tiere |
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Gampisch |
Dominic Eggel |
19 Rinder |
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Alois Ritter |
21 Kühe und Kälber |
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Alte Schpittel, Bielti |
Daniel Dornig |
50 Kühe und Kälber |
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Bielti |
Damian Arnold |
20 Kühe und Rinder |
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Blatte |
Christine Borter |
10 Eringerkühe |
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Niwwe |
Edi Pfammatter |
12 Rinder |
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Hospiz, Rotetsch |
Viktor Arnold |
30 Kühe |
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Stalde, Hopsche |
Walter Schnyder |
20 Kühe |
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Lärchmatta |
Hugo Trachsler |
12 Kühe |
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Breitlöib |
Johann Zurwerra |
10 Eringer |
Es war immer ein
wichtiges Anliegen der Älpler auf dem Simplon, die Weidequalität zu
erhalten und zu verbessern. Wiesen und Weiden wurden alljährlich geräumt
und möglichst viele Stauden abgeschnitten und verbrannt. Zu Beginn des 20.
Jahrhunderts führte man sogar eine grössere Alpsanierung durch.
Interessant
sind die alljährlich festgelegten Pleggtage. Je nach dem
Stand der Vegetation wurde der Pleggtag früher oder später
angesetzt: Besonders früh war der Pleggtag
1868 am 26. Juni, 1924 am 1. Juli und 1929
am 2. Juli. Im Jahre 1921 musste der
Pleggtag wegen der Maul-
und Klauenseuche sogar auf den 17. Juni angesetzt werden. Besonders
späte Pleggtage waren 1902, 1916
und 1923 der 11. Juli. Im Jahre 1926
konnte die Bergalpe erst am 15.
Juli belegt werden.
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In der
Zeit, als die Leute
fast ausschliesslich von
der Landwirtschaft lebten und der
Ertrag der Alpwirtschaft lebenswichtig war, waren Alpräumungen,
die im Gmeiwärch durchgeführt wurden, eine Notwendigkeit. Jede Familie war verpflichtet, dafür eine arbeitsfähige
Person zur Verfügung zu stellen. Ob
jemand genügend arbeitsfähig sei,
entschied der
Stafelvogt. Beim
Gmeiwärch wurden
Wiesen und
Weiden von Steinen und Gestrüpp
gesäubert, der
Stafel in Ordnung
gebracht, Wege instand gestellt, die Grenzmauern erneuert und alle
Arbeiten erledigt, die der Allgemeinheit
zugute kamen. In den Kriegsjahren
wies der damals junge Tierarzt Dr. Hermann Borter bei jeder
Geteilenversammlung auf die Wichtigkeit
des
Gmeiwärchs hin. Mit dem Rückgang der
Alpwirtschaft aber verlor diese Gemeinschaftsarbeit immer mehr an
Bedeutung und geriet in Vergessenheit. Gegen Ende der siebziger Jahre
beschloss der Vorstand der Simplon Bergalpe, diesen alten Brauch
zu reaktivieren und alljährlich an einem Samstag nach dem Pleggtag auf allen
Stafeln der Simplon
Bergalpe unter der Leitung der
Stafelvögte ein
Gmeiwärch durchzuführen. Dabei
sollte neben der Erledigung der anstehenden Arbeiten die Pflege des
Zusammengehörigkeitsgefühls im Vordergrund
stehen. So treffen sich die Berger,
Geteilen und
Ungeteilen, alljährlich an einem Samstag anfangs Juli,
um die anfallenden Gemeinschaftsarbeiten zu erledigen und anschliessend bei
Kollatz und Trunk den Simplon hochleben zu lassen.
Für die
Geteilen fördert auch die von Zeit zu Zeit durchgeführte
Grenzbegehung die Bindung an die Simplon
Bergalpe. An einer
ersten Grenzbegehung am 24.
Juli 1982 nahmen die Vorstände der Simplon Bergalpe, der Niederalpe und der Egger sowie die früheren
Verwaltungsmitglieder, erfahrene Älpler und Vermessungsverantwortliche
teil. Im Protokoll der Begehung wird bemerkt:
Es
war ein
wertvoller und interessanter Tag, und er sollte einmal für alle
Geteilen durchgeführt werden. Seit
damals hat der Bergerrat mehrmals
zu Grenzbegehungen eingeladen, an denen jeweils eine ansehnliche
Zahl von Interessierten teilgenommen hat.
Quelle: O. Kämpfen |
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